Geistliches Wort zur Jahreslosung 2021

Jedes Jahr hat eine, und das schon seit 1930. Die Jahreslosung ist zum treuen Begleiter geworden, auch in unseren Gemeindebriefen. Im November ist für mich die Zeit gekommen, um mich mit der Jahreslosung des kommenden Jahres zu beschäftigen.

Das Kalenderjahr 2021 wird von einem Jesuswort geprägt. „Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.“

Was hier aus dem Lukasevangelium des Neuen Testaments stammt, soll eine Zeit der Herausforderungen und des Aufbruchs begleiten. Das Jahr 2020 wird uns in vielfacher Weise in Erinnerung bleiben. Während ich diese Zeilen schreibe, stehe ich unter vielen Eindrücken. Auch die Evangelische Pfarrgemeinde ist mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die gewohnte Gemeinschaft hat sich in diesen Tagen verändert. Neue Wege werden beschritten – für unsere Nächsten und für uns selbst sind Abstände ein Zeichen des Schutzes geworden.


Dem Evangelisten Lukas, der den Beruf des Arztes ausgeübt haben soll, ist die Botschaft der Barmherzigkeit Gottes von besonderer Bedeutung. Die neue Jahreslosung, gerade in dieser Zeit, zeigt uns das in besonderem Ausmaß. Immer wieder berichtet Lukas davon, wie Jesus sich den Menschen am Rande zuwendet: es sind Heilungsgeschichten in verschiedensten Varianten. Schon ein Wort Jesu zu den davor Unbeachteten und am Rand stehenden kann für alle so viel bewirken.


Heute wird Barmherzigkeit nicht selten als Schwäche gesehen. Barmherzigkeit scheint weltfremd geworden zu sein, der Lohn dafür eher mager. Um seine Interessen durchzusetzen, sollte man Härte zeigen. Die Barmherzigen stehen immer in der Gefahr, ausgenutzt zu werden.

Dabei sollten wir uns in Erinnerung rufen, wer zur Barmherzigkeit aufruft. Es ist eine zutiefst göttliche Botschaft, die Jesus Christus mit seinem Leben vorgelebt hat. An ihr kommt das christliche Leben nicht vorbei. Diese Barmherzigkeit ist alles andere als weltfremd, denn sie prägt das Miteinander, unser aller Leben in dieser Welt. Eine Welt ohne Barmherzigkeit wäre lieblos und hartherzig, letztendlich unerträglich.

Mit der Barmherzigkeit in eine Zeit der besonderen Herausforderungen gehen und schließlich in den Aufbruch blicken – es ist eine befreiende Botschaft, die uns ins neue Jahr begleiten soll. Wir Christinnen und Christen werden von Jesus selbst aufgerufen, barmherzig zu sein, um in dieser Welt so zu handeln, wie unser Vater im Himmel.


Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht. So lautetedie erste Jahreslosung im Jahr 1930. Nicht mit Scham, sondern selbstbewusst als Christin oder Christ der Welt begegnen; ein Ruf der nicht verklungen ist – selbstbewusst und barmherzig, ein Ruf in dieser Zeit.


Ihr Pfarrer

Gregor Schmoly