Corona - Verschwörungstheorien - und weiter?


Als Evangelische Pfarrgemeinde Althofen beteiligen wir uns nicht an Verschwörungstheorien über die Herkunft des Corona-Virus. Diese geistern jetzt in unzähligen Versionen durch das Internet. Wir verbreiten sie nicht weiter und wir kommentieren sie auch nicht.

Wir laden alle Christen ein, nicht Teil dieser Internet-Bewegung zu werden, die mehr zur Verwirrung als zur Aufklärung beiträgt.

Als Christen und als Staatsbürger sind wir jedoch berechtigt und auch verpflichtet, uns Gedanken über das Heute in der Krise und das Morgen nach der Krise zu machen.

Für das Heute gilt: Wir halten uns als verantwortungsbewusste Menschen und Bürger an die verordneten Maßnahmen. Wir müssen sie nicht in allen Aspekten gutheißen, und es ist auch nicht notwendig, ihre Wirksamkeit ebenso einzuschätzen, wie dies die Regierung tut. Wir halten uns daran: weil es nicht möglich und sinnvoll ist, dass jeder Bürger seine eigene „Strategie“ verfolgt, - je nachdem, was er für richtig und sinnvoll erachtet.

Die Nachrichten kennen seit Wochen nur das Thema „Corona“. Dieser Zustand ist sehr bedauerlich, da er uns vortäuscht, dass es keine anderen wichtigen Themen gibt.

Auch in Zeiten der Corona-Pandemie sterben Menschen an Hunger, an Krebs, an den Folgen von Unfällen, an der ganz „normalen“ Grippe. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie werden Ungeborene abgetrieben, Geborene „vertrieben“. Es gibt Selbstmorde und Aids, Alkoholprobleme und Depressionen. Global gesehen wird die Zahl der am Corona-Virus Verstorbenen im Vergleich zu anderen Katastrophen, die momentan unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung weiter „ganz normal“ stattfinden, relativ gering sein. Als Christen dürfen wir aber auch die Opfer der anderen „Krisen“ nicht aus den Augen verlieren.

Die Volkswirtschaften dieser Welt werden aktuell „an die Wand“ gefahren. Nach der Krise werden auch große Volkswirtschaften in Europa de facto völlig bankrott sein. An die Politik ist unbedingt die Forderung zu richten, dass sie die Menschen nicht nur über die Strategien gegen das Corona-Virus zu unterrichten hat, sondern auch über die Pläne, wie hoffnungslos verschuldete Staaten wieder auf die Beine kommen. Denn eines ist ganz gewiss: auch der Bankrott von Staaten, der Zusammenbruch von ganzen Volkswirtschaften fordert Tote: - wahrscheinlich viel mehr, als das Corona-Virus.

Eine Krise ist eine Chance: vor allem für skrupellose politische und wirtschaftliche Mächte, die sich über die Erkenntnis freuen, wie einfach Menschen in ihrem Tun und Denken „unter Quarantäne“ gestellt werden können. Hier sind alle Staatsbürger – und vor allem auch alle Christen – aufgefordert, wachsam zu sein. Beim nächsten Mal könnte in verschiedenen Ländern schon das Gerücht über ein neues Virus genügen, um Bürgerrechte zu beschneiden, Menschen lückenlos zu überwachen, Wahlen abzusagen…… Es ist wichtig, darauf zu achten, dass das Ende der Krise auch zum raschen und vollständigen Ende der die Bürgerrechte einschränkenden Maßnahmen führt.

Eine Krise ist eine Chance: auch für die verantwortungsbewussten Bürger und Christen, die sich im besten Sinne des Wortes als „mündig“ erweisen. Durch die Krise gibt es in praktisch allen betroffenen Staaten eine unglaubliche politische Machtkonzentration. Macht braucht Kontrolle, auch und gerade jetzt.

Eine Krise ist eine Chance: auch durch die Erfahrung, auf wie viel wir verzichten können, ohne dass die Welt „untergeht“. Die Themen „Nachhaltigkeit“, „Ökologie“, „Ressourcenverschwendung“ werden mit der Krise nicht verschwinden. Unser Zugang zu diesen Themen könnte jedoch wesentlich verantwortungsvoller sein. Auch unser persönlicher Alltag sollte sich nicht nur kurz- sondern auch langfristig etwas „bescheidener“ gestalten. Konsum und Vermögen dürfen gerne etwas an Wert verlieren, wenn dadurch Glaube, Beziehung, Gemeinschaft und Nächstenliebe gestärkt werden.

Eine Krise ist eine Chance: auch für die Kirche. Es ist auch für unsere evangelische Kirche momentan sehr schwer, den Menschen zu erklären, wozu sie eigentlich „gut“ ist.

Gottesdienste sind abgesagt, und die Welt dreht sich weiter.

Die Kirchen sind zugesperrt. Und die Welt dreht sich weiter.

Die Seelsorger dürfen keine Hausbesuche machen, und die Welt dreht sich weiter.

Die vielen kleinen Initiativen, durch die auch im kirchlichen Umfeld betroffenen Menschen ganz konkret geholfen wird, werden medial kaum wahrgenommen; auch wenn sie sich „aufsummiert“ als wichtige Hilfe in der Not erweisen. Die Verkündigung und die Seelsorge, die über das Internet, über Smartphone und Telefon stattfindet, wird statistisch nicht erfasst.

Die Kirche wird sich auf finanzielle Probleme und ein weiteres, noch dramatischeres „Schrumpfen“ einstellen müssen. Wenn sie dieser Tatsache mit einer Konzentration auf die reformatorische Botschaft des Evangeliums in Wort und Tat begegnet, könnte sich aus der Krise vielleicht sogar gestärkt hervorgehen. Die Welt ist unsicherer geworden. Die Menschen spüren es. Wie kostbar, wenn es dann Kirchen und Gemeinden gibt, die den Suchenden einen glaubwürdigen Halt bieten können.

Wir laden als Evangelische Pfarrgemeinde Althofen alle Christen ein, sich im Gebet und in der praktischen Hilfe hinter die zu stellen, die jetzt ganz besonders auf die Nächstenliebe, die uns auszeichnen sollte, angewiesen sind. Wir möchten aber auch dazu aufrufen, „wachsam“ zu bleiben, die Stimme zu erheben, wenn Entwicklungen in eine falsche Richtung laufen und die richtigen Fragen zu stellen, damit Politik und Wirtschaft wissen, dass sie sich auch „verantworten“ müssen. Vor den Menschen und letztlich auch vor Gott.

Von den christlichen Kirchen würden wir uns wünschen, dass sie der Politik gemeinsam die wichtigen Fragen über das „nach der Krise“ stellen, und damit den vielen unausgesprochenen Sorgen der Menschen eine Stimme geben.

/ Presbyterium der Evangelischen Pfarrgemeinde Althofen /

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