Ich glaube; hilf meinem Unglauben! (Markus 9,24)

28 Nov 2019

"Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" (Markus 9,24)

 

Jedes Jahr aufs Neue wird von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ein Bibelvers als Jahreslosung ausgewählt. Für das Jahr 2020 ist die Wahl auf das Markusevangelium gefallen – der kurze Vers hat den Glauben im Mittelpunkt, und das ist gut so! 

 

„Der Glaube ist der Anfang aller guten Werke” – dieses Zitat geht auf Martin Luther zurück. Für den Reformator war der Glaube an Gott etwas ganz Zentrales. Sola fide, was aus dem Lateinischen übersetzt „allein aus Glauben” bedeutet, wurde so zu einer Grundlage seiner reformatorischen Lehre, woraus sich die Evangelische Kirche entwickelte.

Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay

 

Nun könnte man meinen, dass dieses Grundsatz Luthers im 21. Jahrhundert verloren gegangen ist. Es scheint so, als wäre der Glaube aus der Öffentlichkeit verschwunden, da er zu wenig Aussagekraft hat. In einer aufgeklärten Welt, die so rasant fortschreitet wie das aktuelle Zeitalter, passt der Glaube wohl nicht mehr ins Bild - denn „Glauben hat ja mit Wissen nichts zu tun”. Diese Vorurteile sind nicht selten zu bemerken. Umgangssprachlich ist „an etwas glauben“ ein Ausdruck für Unentschlossenheit geworden: wir sind uns nicht ganz sicher, aber es könnte vielleicht, womöglich, irgendwie, doch so sein. 

 

Der Glaube, den Martin Luther vor über 500 Jahren in einer für die Menschen sehr schwierigen Zeit wiederentdeckte, hat aber mit dieser umgangssprachlichen Bedeutung nur wenig gemeinsam. Er ist eben kein Ausdruck für „weiß nicht genau, kann schon sein”, sondern eine besondere Sicht auf diese Welt, eine Lebenseinstellung, eine Grundmotivation und nicht selten auch einen Perspektivenwechsel. 

 

Das soll nicht bedeuten, dass der Glaube ein überhebliches Besserwissen über vermeintlich „Ungläubige” ist: „Ich kann dir genau sagen, wie es mit Gott bestellt ist“. Das würde Martin Luther vehement zurückweisen. Denn Gott ist nicht ein gewöhnliches Objekt, das man unter der Lupe begutachten kann, um andren Menschen eine exakte Beschreibung zu geben. Vielmehr ist der Glaube an Gott etwas, das immer wieder neu entdeckt werden kann – das sich verändert, sich dem Leben stellt, auch ein Auf und Ab ist. Genau das macht den Glauben zu etwas Lebendigen und Aktiven, das den Menschen mit all seinen Sinnen motiviert und in den verschiedensten Lebenslagen zum Begleiter wird. 

„Glauben ist ein Geschenk Gottes in unsrem Herzen“ – auch diese Worte werden Martin Luther zugeschrieben. Und auch dieser Satz hat etwas Befreiendes.  Ein Geschenk muss man nicht erst verdienen oder als Gegenleistung bekommen, sondern ein Gegenüber will dir damit etwas Gutes tun. Im Falle des Glaubens ist es eine Hilfe, die dem Menschen angeboten wird.

 

Auf dieses Angebot einzugehen bedeutet auch ein Wagnis: ein Vertrauen auf etwas über den Dingen, so wie wir sie derzeit erfassen können, so wie wir sie derzeit sehen können – ein Vertrauen auf Gott! Dieses Vertrauen und diese Hoffnung, die aus diesem Geschenk erwachsen, leben wir miteinander in unserer Pfarrgemeinde und in unserer Kirche. So machen wir gemeinsam unseren Glauben zu etwas, was uns stärkt und begleitet – es ist schön, dass dieses Geschenk für alle offen ist. 

 

Ihr Pfarrer

Gregor Schmoly

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