Und noch eine Predigt zum Fasching

5 Mar 2019

Hoppla! Besuch kommt! Kennen Sie das?

Da wird gekehrt und gesaugt und der Boden wird nass

aufgewischt und gebohnert, dass alles nur blitzt.

Die Hausfrau dann schnell in die Küche flitzt.

Sie verschwindet dort schier hinter Pfannen und Töpfen. –

Kein Wunder, beim Besuch von so vielen Köpfen.

Da muss frau halt durch, da hilft auch kein Klagen –

und überhaupt: Was soll´n sonst die Nachbarn sagen?

 

Achtung! In der Schule ist heut´ der Inspektor da.

Dass er nicht mehr so heißt, ist allen wohl klar.

Nichtsdestotrotz will man ihm zeigen,

dass die Schüler gut rechnen und Verben beugen,

dass sie schön singen und sportlich auch sind. – 

Nur ein perfekter Lehrer schafft das perfekte Kind!

Da müssen sie durch – Lehrer wie Schüler.

Sie wissen: Der Inspektor, der geht gottlob wieder.

 

Hört ihr ´s? Der Chef verlässt heute die Chef-Etage!

Er geht durch die Firma! Fährt er gar mit auf Montage?

Oder will er prüfen, ob jeder Mann, jede Frau,

die Arbeit auch tut, im Büro, auf dem Bau?

Die Finger fliegen nun über die Tasten,

die draußen leisten sich heut auch kein Rasten.

Sie ducken sich alle und denken sich still:

„Heut reiß i mi z´samm, morgen geht’s wie i will.“

 

Auch wenn ´s in der Nacht jetzt noch winterlich ist,

die Zeit wird kommen, dass unsereins schwitzt,

dass wir uns sehnen nach Baden und Schwimmen. –

Doch davor muss ich noch so manches beginnen:

Ins Fitness-Studio geh ich, eine Diät muss her,

nur mit perfektem Körper ist man schließlich wer.

Nur wer jugendlich wirkt, wer sportlich sich gibt,

der hat auch Erfolg, der wird geliebt!

 

So leben wir alle unser Leben 

oft nach den Erwartungen anderer eben, –

oder nach dem, von dem wir glauben,

es nicht zu sein, würde den Schlaf uns rauben.

Wir machen so vieles „weil man ´s halt tut“

und fragen nicht nach: „Was braucht ´s? Was wär gut?“

Wir wollen es recht machen – vor allem den andern.

Auch wenn wir verbogen durch ´s Leben wandern.

Und wenn wir uns mühen, dann soll´n, bitteschön,

die anderen die gleichen Wege gehen.

 

So auch Martha. Sie macht alles richtig.

Sich selber nimmt sie gar nicht so wichtig.

Sie rackert sich ab, sie schuftet und werkt,

muss oft erleben, dass es keiner bemerkt.

So ist es. – Die Frau muss unsichtbar sein.

Sie umsorgt nur das Haus und die Kinder klein.

 

Die Männer, die sitzen in geselliger Rund´,

manch flotter Spruch geht da einem vom Mund.

Doch einmal sitzt da auch eine Frau,

Maria hört zu, merkt auf ganz genau.

 

Was die Männer sich denken, wird gar nicht erzählt.

Nur Martha allein sich mit Hausarbeit quält,

und fragt darum Jesus: „Siehst du das nicht?“ –

Sie hofft, dass Jesus ein Machtwort spricht.

Sie hofft, dass er sie sieht, ihr Mühen erkennt,

sie eine „richtig tüchtige“ Hausfrau nennt.

 

Ja, Jesus sieht sie. „Du machst dir viel Sorgen“,

sagt er, „doch da liegt das Heil nicht verborgen.

Manchmal, da ist etwas anderes dran,

für dich, für Maria, für Frau, Kind und Mann.

Manchmal, da müssen Erwartungen warten,

da mischt das Leben ganz neu deine Karten.“

 

Und ist nicht an Jesus selbst es zu seh´n,

dass – auch  wenn alle im Tanze sich dreh´n,

ohn´ eigenen Willen und wie Marionetten –

einer vermag aus der Reihe zu treten.

Einer, der tut, was getan werden muss,

der den Schritt hin zum Leben wagt bis zum Schluss.

Als König begrüßt, mit Dornen gekrönt

hängt er an Kreuz, von den Menschen verhöhnt.

 

Einsam stirbt er, gequält und geschunden.

Seine Freunde sind längst in der Menge verschwunden.

Im Dunkel des Grabes drei Tage er liegt.

Doch das Leben muss siegen, der Tod wird besiegt.

 

Nein, Jesus ist keiner, der „eben tut, was man tut“.

Er lädt auch uns ein: „Steht auf und habt Mut!“

Lasst euch nicht einengen durch Konventionen.

Gott selber will mitten unter euch wohnen.

Gott durchbricht alles Starre, was „immer so war“.

Folgt seinem Ruf, hört sein Wort, laut und klar!

 

Sein Wort von der Freiheit. – Er ließ sich doch binden,

damit wir unseren Weg in die Freiheit finden.

Freiheit, die nicht fragt nach Geschlecht oder Rasse,

die den Einzelnen sieht und nicht nur die Masse.

 

Sein Wort von der Liebe, die ihn hat gebracht

zu uns, zu den Menschen in der Heiligen Nacht.

Liebe, an der wir bis heut´ soll´n erkennen

die, die nach seinem Namen sich nennen.

 

Sein Wort von dem Frieden, der alles umschließt,

in dem Freiheit mit Lieb´ ineinander fließt.

Friede, der mehr ist, als „einfach kein Streit“.

– So heiß ersehnt fern und nah, so Lichtjahre weit.

 

Steht auf, habt Mut! Sucht die eigne Melodie.

Nach andern zu tanzen bringt es doch nie!

Wenn Arbeit zu tun ist, seid bereit sie zu tun.

Wenn Zeit ist zum Hören, lasst die Hände auch ruh´n.

Maria und Martha zeigen es beide an,

wie christliches Leben gelingen kann.

 

So passt auch zum Faschingssonntag genau

der Rat einer dritten, heiligen Frau:
Theresa von Avila denkt da ganz praktisch.

Sie ist nicht nur fromm, sondern durchaus didaktisch:

„Wenn fasten, dann fasten. Wenn Rebhuhn, dann Huhn.“

Dann werdet ihr sicher das Richtige tun.

 

So schließe ich heute in Gottes Namen:

Vergelt´s Gott euch allen. Fröhlichen Fasching! Amen!

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