Karfreitag - die geistliche Perspektive

5 Mar 2019

 

Das Wort „Karfreitag“ stammt aus dem althochdeutschen „Kara“, was soviel wie „Wehklage“ oder „Trauer“ bedeutet.

Die Karfreitagsfeier findet sich bereits in den frühchristlichen Jahrhunderten. Schon Ende des 4. Jahrhunderts gab es in der christlichen Kirche die sogenannte Feier des „Triduums und der Heiligen Woche“.

Als Triduum Paschale (die österlichen drei Tage) oder Triduum Sacrum (die heiligen drei Tage) bezeichnet die katholische Kirche die Tage von Gründonnerstagabend bis Ostersonntag. Schon Kirchenvater Augustinus (354 - 430 n.Chr.) hat von dem Triduum Crucifixi, Sepulti, Suscitati gesprochen: Es sind das die drei Tage des Gekreuzigten, Begrabenen und Auferweckten.

 

Luther nannte den Karfreitag den „guten Freitag“, und so wird er im Englischen („Good Friday“) bis heute genannt. Warum? Und warum ist den Protestanten der Karfreitag viel wichtiger als den Katholiken?

 

Der Karfreitag ist der höchste evangelische Feiertag - das stimmt, und es stimmt nicht.

Es stimmt nicht, weil für Jesu Tod ohne seine Auferstehung das gilt, was Paulus im Brief an die Korinther geschrieben hat: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ (1. Kor. 15,17).

Es stimmt, weil mit dem Tod Jesu unsere Schuld ein für alle Mal getilgt ist. Das war auch der Grund, warum Luther von einem „guten Freitag“ sprechen konnte. Die Schuld ist bezahlt, das Gerichtsurteil ist ein für alle Mal vollzogen. Wer dies im Glauben annehmen kann, ist im besten Sinne des Wortes „frei“.

Luther entwickelte eine „Theologie des Kreuzes“. Ein Zitat von Luther lautet:  „Man kann Gott nur finden in Leiden und Kreuz“. Im ersten Brief des Apostel Paulus an die Korinther spricht dieser vom "Wort vom Kreuz" als Torheit und Skandal (1 Kor 1,18ff.).  

 

Die unterschiedlichen Haltungen der katholischen und der protestantischen Kirchen zum Karfreitag lassen sich am besten durch einen Blick auf die unterschiedlichen theologischen Zugänge zum Abendmahl erklären.

 

Das Evangelische Abendmahlsverständnis unterscheidet sich grundlegend vom katholischen Eucharistieverständnis. Die evangelischen Kirchen betonen die „Einmaligkeit“ des Opfers Jesu mit Verweis auf den Hebräerbrief: „Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heiligtum, das mit Händen gemacht und ein Abbild des wahren Heiligtums ist, sondern in den Himmel selbst, um jetzt zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns; auch nicht, um sich oftmals zu opfern, wie der Hohepriester alle Jahre mit fremdem Blut in das Heiligtum geht; sonst hätte er oft leiden müssen vom Anfang der Welt an. Nun aber, am Ende der Zeiten, ist er ein für alle Mal erschienen, um durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben.

Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal erscheint er nicht der Sünde wegen, sondern zur Rettung derer, die ihn erwarten.“ (Hebräer 9,24-28)

Die katholische Kirche versteht jede Eucharistie-Feier hingegen als „Vergegenwärtigung des Opfers Jesu am Kreuz“ (siehe Katechismus der katholischen Kirche, Oldenburg 1993, S. 374). Dementsprechend wird auch vom „Messopfer“ gesprochen.

 

Wenn das Karfreitagsgeschehen gewissermaßen bei jeder Messe unblutig „wiederholt“ wird, verliert dieser Tag natürlich an geschichtlicher Bedeutung. Für uns Protestanten ist es ein „einmaliger“ Tag, mit einem „einmaligen“ Geschehen. Das reformatorische „solus Christus“ (allein durch Christus) und „sola gratia“ (allein aus Gnade) betont den Aspekt unseres Glaubens, der schon Luther von seinem qualvollen Ringen um einen „gnädigen“ Gott befreit hat. In Christus, in seinem Leiden und Sterben, ist ALLES getan, was zu unserer Erlösung nötig ist. Luther durfte aufgrund dieser Erkenntnis „aufatmen“ und zu dem Reformator werden, der uns das neu geschenkt hat, was den Protestantismus bis heute auszeichnet: das „Priestertum aller Gläubigen“. In Christus ist jedem Christen der direkte Zugang zum Vater im Himmel geschenkt. Wir brauchen keine „Mittler“ mehr, keinen Priester, der sich zwischen uns und Gott stellen muss. So wird es ja auch etwa auf dem Altarbild der Schlosskirche in Wittenberg, wo Luther gepredigt hat, dargestellt: auf der einen Seite findet sich die Gemeinde, auf der anderen steht der Prediger/Pfarrer (hier: Luther selbst) auf der Kanzel. In der Mitte, von beiden gleich weit entfernt, ragt das Kreuz auf, an dem Jesus hängt. Die Aufgabe des Predigers/Pfarrers ist es, auf diesen hinzuweisen.

 

Zum Schluss noch eine kurze Erklärung, warum „Ostern“ jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt: Ostern richtet sich nach dem jüdischen Passahfest. Bei diesem hohen jüdischen Fest, erinnert sich das Volk Gottes an den Auszug aus Ägypten. Der Termin des Passahfestes orientiert sich zeitlich am ersten Vollmond im Frühling. Dementsprechend wurde auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 festgelegt, dass der Ostersonntag jährlich am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert wird.

 

 / Renate Moshammer /

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