Karfreitag - eine traurige Lösung

28 Feb 2019

Ein Blick in Geschichte und Theologie der Protestanten sollte genügen, um mit der Abschaffung des Karfreitags als gesetzlicher Feiertag für die Evangelischen ganz und gar nicht zufrieden zu sein.

 

Die aktuelle Regelung sieht vor, dass jeder Arbeitnehmer einen Anspruch darauf hat, einen seiner gesetzlich vorgesehenen Urlaubstage zum „persönlichen Feiertag“ zu erklären. „Feiertage“ als Element der persönlichen Vorlieben stehen nun auf einer Ebene mit dem Tag, an dem Christus sein Erlösungswerk am Kreuz für diese Welt durchlitten hat. Das alleine ist eine brutale Verhöhnung des evangelischen Glaubens.

 

Die praktischen Auswirkungen lassen sich leicht abschätzen. Einige Arbeitnehmer werden bewusst einen Tag zum „persönlichen Feiertag“ erklären, an dem die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Unternehmen unbedingt benötigt werden, möglichst hoch ist. Es lockt ein Arbeitstag mit Feiertagszuschlag. Einige andere werden sich nach Urlaubsplänen, Geburtstagen und anderen Ereignissen orientieren, an denen der Arbeitgeber keine Chance hat, die Pläne zu durchkreuzen. Einige werden vergessen, dass der persönliche Feiertag drei Monate vorher dem Arbeitgeber bekanntgegeben werden muss. Wer denkt im Jänner schon an Ostern? Die Karfreitagsgottesdienste werden sich leeren, irgendwann vom Vormittag in den Abend verlegt. Aus einem der zentralen Gottesdienste des evangelischen Lebens wird ein Randereignis.

 

Die Vorgehensweise der Regierung zeigt auch, welchen Stellenwert die evangelische Kirche in der Politik noch hat. Offensichtlich keinen mehr. Das verwundert auch nicht, da wir als seit Jahrzehnten stark schrumpfende Glaubensgemeinschaft kein Wählerpotential mehr bieten, auf das man besonders Rücksicht nehmen müsste.

 

Uns bleibt nur die Bitte an alle evangelischen Gemeindeglieder. Setzen wir ein Zeichen, und nehmen wir uns bewusst den Karfreitag frei, um an diesem Tag auch den Gottesdienst zu besuchen. So sieht die Welt, dass uns dieser Tag nicht allein aus arbeitsrechtlichen sondern vor allem auch aus geistlichen Gründen wichtig ist. Wenn wir auf dieses Zeichen verzichten, bestätigen wir die vorliegende uns geradezu verspottende Lösung.

 

 

/ Presbyterium der Evangelischen Pfarrgemeinde Althofen /

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