2017 – Reformationsjahr – „Was feiern wir eigentlich?“

24 Jun 2017

Bei all den vielen Veranstaltungen, die im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ angeboten werden, fällt es nicht mehr ganz leicht, den Überblick zu bewahren. Und überfordert von den vielen Angeboten mit unterschiedlichsten Themen und Schwerpunkten mag sich manch interessierter Mitbürger fragen: „Was feiern wir da eigentlich?“

 

Zeit also, das Zentrum zu erwähnen, von dem aus all die Veranstaltungen und Veröffentlichungen in diesem Jahr erst ihre Berechtigung erhalten.

 

Im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres sollten eindeutig die zentralen Anliegen der Reformatoren stehen, von denen aus die vielfältige Wirkungsgeschichte der Reformation erst richtig zu verstehen ist.

 

In der Wirtschaft gibt es den Begriff des „USP“, des „unique selling point“ . Es handelt sich dabei um das „Allein-stellungsmerkmal“, also jene Qualität eines Unternehmens, die dieses von allen anderen Mitbewerbern unterscheidet.
Ein sichtbarer „USP“ ist für den Erfolg eines Unternehmens sehr wesentlich, egal ob es sich dabei um die technologische Führerschaft, den unschlagbar günstigen Preis, das kompetente Personal, die freundlichen Mitarbeiter, den einmalig gestalteten Schauraum oder die kürzeste Lieferzeit handelt.

 

Was ist nun der „USP“ der reformatorischen Kirchen und Gemeinden, durch den sich diese von allen anderen Kirchen, Gemeinden oder auch weltlichen Vereinigungen wie NGO’s unterscheiden? Woran entscheidet sich Erfolg oder Misserfolg des „Unternehmens“ Kirche?

 

Der USP der protestantischen Kirchen ist die zentrale Botschaft der Reformatoren und lässt sich im lateinischen Begriff „solus“ = „einzig“ oder „allein“ finden. Es sind vier einfach zu merkende Kernsätze, von denen aus Reformation nicht nur zu verstehen ist sondern im Sinne von „ecclesia semper reformanda“ auch in der Zukunft gelebt werden muss.

  1. „SOLA SCRIPTURA“ – „allein die Schrift“. Die Grundlage unseres evangelischen Glaubens liegt nicht in den Aussagen von Bischöfen oder Synoden, in den Werken von Theologen oder Philosophen, in den Vorgaben der Politik und schon gar nicht in der Themensetzung des medialen Zeitgeistes, sondern einzig und allein in der Heiligen Schrift. Sie, und nichts anderes, ist Quelle und Maßstab unseres Glaubens.
     

  2. „SOLA GRATIA“ – „allein durch die Gnade“. Mit diesem Grundsatz grenzt sich der evangelische Glaube von jeglicher Werkgerechtigkeit ab. Wir können und müssen uns den Himmel nicht verdienen, das ewige Leben wird uns durch Christus geschenkt.
     

  3. „SOLA FIDE“ – „allein durch den Glauben“. Auch im „sola fide“ wird jeder Gedanke an die Vorstellung verworfen, dass wir uns durch gute Werke retten könnten. Der Glaube an Christus rettet, und selbst dieser Glaube ist keine persönliche Leistung, sondern ein Geschenk unseres barmherzigen Gottes.
     

  4. „SOLUS CHRISTUS“ – „allein Christus“. Um es mit den Worten des Apostel Paulus im ersten Brief an Timotheus ausdrücken: „Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus“. Das Heil liegt im Glauben an Jesus Christus, jeder andere Weg, wie fromm er auch sein mag, führt in die Irre.

In diesen vier Grundsätzen liegt das Zentrum jeden reformatorischen Anliegens. Manchmal wird auch noch ein fünfter Punkt angeführt: “SOLI DEO GLORIA“ – „allein zur Ehre Gottes“. Dieser Grundsatz soll die Menschen davor bewahren, geistliche Arbeit für den eigenen Vorteil zu missbrauchen.
 

Natürlich müssen die angeführten reformatorischen Kernsätze in die Kirche und die Gesellschaft hineinwirken und in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens und der Gesellschaft eine reiche Frucht bringen. Es wäre aber fatal, über diese Früchte die reformatorischen Wurzeln zu vergessen. Sonst wird aus einer Kirche oder Gemeinde sehr rasch ein Verein unter vielen, die sich bemühen, Gutes zu formulieren und auch zu tun.

 

Wir dürfen und sollen kreativ und fortschrittlich sein, um als Kirche im 21. Jahrhundert wahrgenommen zu werden. Wenn wir jedoch nicht aus den reformatorischen Wurzeln Kraft und Orientierung gewinnen, dann wird sich unser Bemühen sehr rasch in einer bunten Beliebigkeit verlieren. Wenn wir unseren USP vergessen, werden wir auf die Frage: „Wer seid ihr, und was feiert ihr im Reformationsjahr eigentlich“ ohne klares Profil auch keine klare Antwort mehr geben können.

 

 

 

 

 

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