Johannes 21, 1-14

8 Jun 2015

Was geht, wenn nichts mehr geht???

Die ungeteilte Gemeinschaft mit Jesus ist vorbei. Jesus als der Auferstandene ist nicht mehr jeder Zeit „griffbereit“.

So kehren die Jünger zurück in ihren Alltag mit all seinen Zerreißproben und seinem Auf und Ab des praktischen Lebens. Sie warten auf Jesus, den Auferstandenen. Da wird die Zeit zu lang, und am Abend sagt Petrus: “Wir müssen was tun. Ich gehe Fische fangen!“ 
Das heißt doch: Wir müssen arbeiten, um am nächsten Tag über die Runden zu kommen, sollen wir nicht mit unseren Familien hungern!

Die Jünger stellen sich den Alltagsforderungen: Sie steigen ins Boot und gehen ihrem Beruf nach, der alles an Einsatz von ihnen fordert. Sie arbeiten die ganze Nacht „im Schweiße ihres Angesichtes“, - und es geht nichts!

Kennen wir das nicht auch, dass bei allem Einsatz und vielfachen Versuchen nichts geht?

Ist denn alles umsonst? – meine Fähigkeiten, meine Ausbildung, mein Glaube? ALLES, worauf ich mich einmal verlassen konnte, zerrinnt mir zwischen den Fingern. Nichts ist da, was mir noch Halt gibt. Und GOTT? Ist es ihm egal, wie es mir geht? WO ist er jetzt?
Der Morgen graut und die nächtliche Mühe ist vergeblich gewesen. Auch der Tag wird umsonst sein, wenn kein Wunder geschieht!
Da hören sie vom Ufer her, auf das sie enttäuscht zusteuern, eine Stimme: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Das heißt doch: war all eure Mühe vergeblich?
Da ist einer, der nennt sie KINDER, der sorgt sich in väterlicher Liebe um sie, der hat schon längst ihre Not und bittere Enttäuschung mitgekriegt. Und das ist ihm zu Herzen gegangen. Ihr Problem ist zu seinem geworden! Darum weist er sie an: „Werft das Netz zur Rechten des Bootes aus!“  - WAS, hier am Ufer? Da gibt es doch jetzt, fast noch zur Nachtzeit, keine Fische! So denken jetzt die Experten, und das sind sie doch schließlich, sie, die erfahrenen Fischer vom See Genezareth. Solch ein Befehl ist doch ganz und gar bar aller Berufserfahrung und Vernunft. (Wenn die verdammten Biester jetzt nach den unbestechlichen Naturgesetzen irgendwo sind, dann jeden Falls in der Mitte des Sees und nirgendwo sonst!!!)

Warum wohl hatten sie in jener Nacht nichts gefangen, trotz bester Ausrüstung und Profession? Dämmert es den Jüngern allmählich, dämmert es uns?  Was hatte Jesus ihnen schon mehrfach klar machen wollen? – „Ohne mich könnt ihr nichts tun! (Joh.15,5)

Ähnliche Gedanken werden wohl durch ihre Köpfe gegangen sein, denn sie widersprechen und diskutieren nicht. Gehorsam werfen sie das Netz auf der rechten Seite ihres Bootes aus – eben auf seinen Befehl hin. Und das Wunder, das alle Erfahrung und Naturgesetze aus den Angeln hebt, geschieht: ein Netz, zum Zerreißen prall gefüllt mit Fischen macht ihren sorgenvollen Gedanken ein Ende.

Was ist der tiefe Sinn dieses „unglaublichen“ Erfolges?
In ihrem Buch „Das Geheimnis eines beglückenden Christenlebens“ berichtet Hannah Whitall Smith folgende Begebenheit: „Ich versuchte einmal, dem Chefarzt eines großen Krankenhauses die Notwendigkeit eines überzeugten und kraftvollen Glaubens zu erklären. Aber er schien nicht gleich zu verstehen, was ich konkret meinte. Schließlich konfrontierte ich ihn mit folgender Situationsbeschreibung aus seinem eigenen Alltag: Nehmen wir an, bei Ihrer Visite wendet sich ein schwerkranker Patient mit der dringenden Bitte an Sie: „Herr Chefarzt, ich weiß, dass es um mich ganz schlecht bestellt ist. Ich bitte deshalb darum, dass nur allein Sie mit ihrem großen Fachwissen mich behandeln, damit ich überhaupt noch eine Chance habe, gesund zu werden. Geld spielt dabei keine Rolle, das wissen Sie von mir. Aber ich habe eine Bedingung: Ich bin bereit, in gewissen Dingen ihre Vorschriften zu befolgen, jedoch nur, so weit sie mir einleuchten. Andernfalls ziehe ich es vor, nach meinen eigenen Erkenntnissen zu handeln.“ „Was,“ so schloss ich, „würden Sie in einem solchen Falle tun?“

„Was ich tun würde?“, erwiderte der Chefarzt entrüstet, „ich würde einen solchen Patienten bald sich selbst überlassen müssen. Denn ich könnte natürlich nichts für ihn tun, wenn er sich nicht uneingeschränkt in meine Hände gäbe und genau meine Vorschriften befolgte."
Ich darauf: „So muss man also dem Arzt gehorchen, damit er die Möglichkeit hat, seinen Patienten zu heilen?“ „Genauestens gehorchen!“ lautete seine nachdrückliche Antwort.
„Sehen Sie, das gleiche ist es mit einem überzeugten und wirkungsvollen Glauben“, erklärte ich ihm: „GOTT muss den ganzen Fall uneingeschränkt in seine Hände bekommen, und seine heilenden Vorschriften müssen genau befolgt werden!“                                                             

Mit diesen Gedanken grüßt Sie/euch herzlich                   
Ihr/euer H.-J. Freund, Pfr.

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